Gestern mussten wir unsere geliebte Tweety gehen lassen. Ihr Leiden war gottseidank nur kurz. Keiner hätte geahnt, dass hinter dem vermeintlichen Katzenschnupfen was Ernsteres stecken könnte ...
Aber von vorn:
Tweety habe ich 2001 im Alter von ca. 5 Wochen zusammen mit ihrer Schwester Maya bekommen. Damals zeigte sie erste Anzeichen von Katzenschnupfen und war schon leicht apatisch; dennoch haben wir sie aufpäppeln können und sie war lange Jahre gesund.
Während für die kleine Maya ganz schnell ein Name da war, tat ich mich bei der frechen Tweety schwer. "Twipsy" sollte sie heißen. Weil sie so ein buntes Gesicht hatte (eine Seite schwarz, die andere "gesmokt"). Doch beim Rufen hab ich mich ständig versprochen und so wurde aus "Twipsy" - "Tweety". Wie der Vogel. Na und? Passte irgendwie doch.
Als Ellen und Vivien da waren, habe ich oft ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ich mich gar nicht genug um die Katzen kümmern konnte, sie kamen einfach zu kurz. Ich habe mich sogar mit dem Gedanken herumgeschlagen, sie aus diesem Grund abzugeben. Es aber dann doch nicht über's Herz gebracht. Denn besonders Tweety hatte keinerlei Probleme mit den Kindern. Im Gegenteil: Scheinbar hatten Vivien und Ellen so eine Art "Welpenschutz". NIE kam irgendwas Böses von den Katzen. Kein Kratzen, kein Beißen ... nichts. Wenn es ihnen zu viel wurde, sind sie eben einfach abgehauen. Tweety hat sich oft streicheln lassen von den Kindern, auch wenn sie mal etwas gröber wurden.
Oft habe ich Tweety liebevoll "olle Doofe" genannt. Das passte irgendwie auch zu ihr. Ein Schnattermaul war sie, denn sie musste überall "ihren Senf" dazugeben. Alles wurde irgendwie kommentiert. Am liebsten hat sie sich aber auf dem Sofa breitgemacht - zwischen zwei "Dosenöffnern". Und wenn sie dann gestreichelt wurde, wusste sie meist nicht, wie sie sich jetzt am besten hinlegen sollte, um das zu genießen. Das sah dann immer so aus, also ob ein brummendes Fellknäuel auf 50 x 50 cm hin und herwandert. Schwer zu beschreiben. Wer's erlebt hat, weiß, was ich meine. ;-)
Ende Juli dann fing Tweety an, vermehrt zu schnarchen und bekam immer schlechter Luft. Der Tierarzt diagnostizierte einen Katzenschnupfen und verschrieb Schleimlöser und Antibiotika. Außerdem machten wir Blutbild, Urintest und eine Gewebeprobe - alles ohne Befund. Ich hatte trotzdem ein schlechtes Gewissen, weil ich 3 Jahre nicht zum Impfen war ... Jedenfalls ging das wieder weg. Mitte August fuhren wir für eine Woche in den Urlaub. Währenddessen kümmerte sich eine Nachbarin um die Katzen. Als wir wiederkamen, bekam Tweety wieder schlecht Luft und war auch leicht apathisch. Wieder zum Tierarzt - wieder AB und Schleimlöser ... wieder schlechtes Gewissen.
Wieder hielt die Besserung nicht lange, wieder hin zum Tierarzt. Diagnose "Immer wiederkehrender Katzenschnupfen". Doch Antibiotika wollten wir der Katze nicht noch einmal zumuten. Deshalb bekam sie alle 2 Tage ein immunstärkendes Mittel, um die Krankheit vielleicht so zu bewältigen. Es ging ihr von Tag zu Tag schleichend schlechter. Ich brachte sie wieder zum Tierarzt. Dort wurde bei der Untersuchung festgestellt, dass sie am Hals zwei kleine "Knüddelchen" hat - Tumore! Ich war geschockt. Ich hatte sie erst ein paar Tage zuvor unterm Kinn gekrault - da waren die noch nicht da!
Man riet uns zu einem CT, um zu gucken, ob da noch mehr wären und ob diese operabel wären. Am Montag um 7 Uhr sollte ich sie bringen. Nur leider hat Tweety den Braten wohl gerochen und war seit Sonntagnachmittag verschwunden. Nachmittags war sie wieder da ... also hab ich den Termin auf Dienstag gelegt. Mittlerweile wollte sie auch nichts mehr fressen und trinken. Die Atmung strengte sie sichtlich an und sie hörte sich an wie Darth Vader. Dienstag früh ist sie mir wieder ausgebüxt. So verblieb ich mit der Kleintierklinik Hannover, dass ich Tweety bringe, sowie sie wieder da ist und sie dann stationär in der Klinik bleibt. Nachmittags habe ich sie dann auch hingebracht ...
Abends dann kam ein Anruf von der behandelnden Ärztin (ich wollte eh eine Kostenschätzung): Mir blieben 3 Optionen:
1. Das CT wird gemacht und eventuell eine OP gleich hinterher, wenn die Tumore operabel sind.
2. Kein CT, sondern eine langfristige Cortisonbehandlung - wo keiner weiß, ob diese überhaupt anschlägt und ob und wie lange sie Tweetys Leiden beeinflusst.
3. Gleich "erlösen".
Ich stand vor einem ethischen Problem. 1. Ist das ne ganze Stange Geld, was man da ausgiebt und man weiß nicht, ob das überhaupt was bringt. 2. Will man nicht, dass die Katze unnötig lange leidet.
Ich habe mich für Version 1 entschieden und mit der Ärztin ausgemacht, dass das CT gemacht wird. Sollte keinerlei Hoffnung bestehen, soll sie nicht mehr aus der Narkose erwachen. So war es dann auch ...
Mittwochmittag bekam ich einen Anruf vom Oberarzt, der das CT durchführt. Keine Chance auf Heilung, es ist sogar unwarscheinlich, dass sie jemals aus der Narkose erwacht. Ob sie die erlösende Spritze geben können ... Ja, war meine Antwort.
Ich hätte nie gedacht, dass dieses eine Wort - verbunden mit dieser Gewissheit - so viel Emotionen auslösen kann. Sofort bin ich in die Tierklinik gefahren, um mich von Tweety zu verabschieden. Sie wurde mir in ein Handtuch gewickelt gebracht. Ich hatte ein kleines nüchterndes Zimmer für mich und Tweety. Habe sie gesteichelt und mit ihr geredet. Sie war noch warm. Aber es tat mir gut. Ich habe gefühlt, wie die Tränen langsam versiegten. Es war gut so.
Hinterher hat mir der Arzt noch die CT-Bilder gezeigt:
Die Lymphknoten waren überdimensional angeschwollen. Die Nieren waren schon völlig kaputt. Die Tumore am Hals haben auf die Luftröhre und den Kehlkopf gedrückt. Tweety wäre innerhalb der nächsten Tage qualvoll erstickt.
Ich will und kann den Tierärzten keinen Vorwurf machen. Alles sah zuerst wirklich wie ein Schnupfen aus. Wären die Tumore am Hals nicht gewesen, wär keiner so schnell drauf gekommen, dass es KEIN Schnupfen ist.
Ellen und Vivien haben die schlimme Nachricht übrigens unterschiedlich aufgenommen. Während Ellen nur meinte "Hab ich mir schon gedacht", war Vivien unendlich traurig, ja sogar wütend - konnte kaum mit diesem Schmerz umgehen. Sie wollte natürlich gleich eine neue Tweety. Nein, meinte ich. Tweety war einzigartig ...


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